Woher kamen die Schnegelberger an der Wolga?


Kurzfassung eines Vortrags am 1.9.2001 bim 6. Treffen der Vogelsberger Familienforscher in Lauterbach, von Dr. H. Schnegelberger.

Bekanntlich gab Zarin Katharina die Große im Jahre 1763 ein Edikt heraus, in dem sie zur einwanderung nach Rußland einlud.
Die Konditionen (u.a. keine Leibeigenschaft, keine Wehrpflicht, 30 Jahre keine Abgaben, Beibehaltung der eigenen Sprache) waren außerordentlich verlockiend für die damalige Zeit, so auch für die im Vogelsberg wohnenen Menschen. Dies gilt um so mehr, wenn man z.B. bedenkt, dass z.B. im Junkerland der Freiherren Riedesel zu Eisenbach die Menschen der Leibeigenschaft der Riedesel mit allen damit verbundenen Drangsalen unterlagen.

Eine Anwerbestelle für die sogenannten Kolonisten war z.B. in Büdingen. Hier wurden Menschen zur Ansiedlung im Wolgagebiet gesucht. Da die Menschen verheiratet sein sollten, finden sich in Büdingen in 1767 im Kirchenbuch 375 Traueinträge von angehenden Kolonisten.

Details zur Auswanderung und Namenslisten von Auswanderern findet man bei K. Stummp, The Emigration from Germany to Russia in the years 1763 to 1862. Weitere Literatur: Fred C. Koch, The Wolga Germans (1977).

Innerhalb des Wolgagebietes wurde z.B. die Mutterkolonie Beidek in 1766 gegründet. Sie hatte 360 Bewohner in 1772, in 1912 7054 Bewohner und nach der von den Kommunisten ausgelösten Hungersnot nur noch 3941 Bewohner in 1926. Insgesamt sind in den ersten Jahren etwa 27000 Menschen im Gebiet der Wolga in 101 verschiedenen Mutterkolonien angesiedelt worden. Hiervon kam ein Teil der Kolonisten aus Hessen. Und man findet bei Strmpp auch Namen von Auswanderern aus fast allen Orten des Vogelsberges.

Zu Beginn der 1. Weltkrieges gab es etwa 700 000 Wolgadeutsche, in 1941 gab es dann noch etwa 350 -400 000 Menschen.

In 1941 erfolgte die Auflösung der in 1924 gegründeten Wolgadeutschen Republik mit der Amtssprache Deutsch und unter dem Vorwand der Spionage die Deportation der Menschen nach Sibirien und Kasachstan. Eine Rehabilitation der Wolgadeutschen durch die Regierung der UDSSR erfolgte in 1964, eine Rückkehr an die Wolga wurde ihnen aber verwehrt.

In den Auswandererlisten von Stummp gibt es auch einen Auswanderer mit Namen Schnegelberger, aber ohne Angabe eines Vornamens oder woher er kam. Vermerkt ist lediglich als Zielort Beidek an der Wolga.

Die Beantwortung der Frage, woher dieser Schnegelberger kam, gestaltete sich jedoch recht schwierig.

Nun leben heute einige Familien Schnegelberger in den USA, deren Vorfahren um 1890-1900 aus dem Wolgagebiet nach USA ausgewandert sind. So hatte ich auch schon lange Kontakte mit Elisabeth Schnegelberger und Henry Damer, ohne etwas über eine etwaige Verwandtschaft mit ihnen zu wissen. Den beiden genannten gelang es, Originalkopien aus dne Kirchenbüchern (in deutscher Sprache) über die Schnegelberger in Beidek u.s.w. zu besorgen. Es folgte duch sie die Erstellung eines Stammbaumes vom ersten Kolonisten Schnegelberger in Beidek und seinen 230 Nachfahren im Wolgagebiet bis zum Jahre 1900.

Dieser erste Kolonist war Johann Conrad Schnegelberger. Er hatte noch einen Bruder Johann. Beide kamen aus Waisenkinder an die Wolga, da ihre Eltern Johann Caspar Schnegelberger und Anna Maria geb. Becker bei der Überfahrt von Lübeck nach Oranienbaum auf dem Schiff St. Paul in 1767 verstarben.

Woher kam nun diese Familie? Jedenfalls nicht aus Rixfeld, wo der älteste, bisher bekannte Stammvater Hanß Schnegelberger (* um 1602, + 1662 Rixfeld) der von mir bereits bearbeiteten Familie lebte. In Rixfeld gibt es die Linie Schnegelberger bis auf den heutigen Tag. Dieser Hanß Schnegelberger in auch ein Urahne von mir.

Die weiteren Recherchen führten dann zu dem auf dem Chart zusammengefaßten Resultat.

Johann Conrad Schnegelberger (der 1. Kolonist) in 1757 in Angersbach, sein Bruder Johann in 1754 geboren. Ihr Vater Johann Caspar Schnegelberger ist in 1714 in Angersbach geboren, er heiratete in 1754 in Angersbach Anna Maria Becker aus Angersbach.

Auf dem Chart sind dann die weiteren Vorfahren von Johann Conrad Schnegelberger aufgeführt:

Eccard Schnegelberger stammt nun aber aus Rixfeld und wurde als 8. Kind des bereits genannten Stammvaters Hanß Schnegelberger in 1655 in Rixfeld geboren.

Damit konnte lückenlos nachgewiesen werden, das alle Wolgadeutschen Schnegelberger sich über Angersbach letztendlich vom Rixfelder Stammvater der Sippe Schnegelberger ableiten.

Darüberhinaus sei daraufhingewiesen, dass auch alle anderen, bisher bekannt gewordenen Familien mit dme Namen Schnegelberger sich auf den Rixfelder Stammvater Hanß Schnegelberger zurückführen lassen.

Bemerkenswert ist, dass die Originalschreibweise Schnegelberger vom Stammvater über die Wolgadeutschen Schnegelberger bis zu den in den USA lebenden Familien erhalten geblieben ist. Es gibt daneben aber auch noch Familien Schnägelberger, deren Vorfahren aber auch von Hanß Schnegelberger abstammen.

Inzwischen wohnen in der Bundesrepublik rund 25 Familien Schnegelberger, die in den letzten Jahren auf Rußland gekommen sind.

Weiterhin gibt es nach Telefonverzeichnis rund 15 Familien Schnegelberger in Deutschland, die sich auf direktem Wege ebenfalls vom Stammvater Hanß Schnegelberger ableiten lassen.

Der Name Schnegelberger ist damit in Deutschland relativ selten.
 
 

Schnegelberger


 
Hanß
* um 1602
+ 1662 Rixfeld

¥ 1639 Rixfeld
Anna Jost
1. Kind: 
Henrich
* 1641 Rixfeld

Nachfahren in Rixfeld bis heute
8. Kind:
Eccard
* 1655 Rixfeld
+ 1708 Angersbach

¥ 1691 Angersbach


Gela Döll, Witwe
Einziges Kind:
Hans Nicolaus
* 1693 Angersbach
+ 1776 Angersbach

¥ 1712 Angersbach


Anna Christina Wahl
2. Kind:
Johann Caspar
* 1714 Angersbach
+ Schiff St. Paul um 1767

¥ 1754 Angersbach


Anna Maria Becker
2. Kind:
Johann Conrad
* 1757 Angersbach
+ 6.9.1821 Beidek

¥ um 1784 Beidek


Maria Margareta Fries

 
 
 
 
 

Auswanderer aus dem Vogelsberg I


 
Albach, Johann Georg Vadenrod
von der Au, Johann Vadenrod
Becker, Conrad Maar
¥ mit Bott, Elisabeth Aus dem Lauterbachischen
Dietz, Anna Maria Aus dem Lauterbachischen
Eberlein, Johann Christoph Rebgeshain
¥ Büdingen 
mit Stein, Maria Elisabeth
 
Friess, Johannes Groß-Felda
¥ mit Rausch, Anna Maria Rebgeshain
Gays (Geis?), Heinrich Grebenhain
Geiss, Johann Caspar Meiches
Geist, Johannes Rebgeshain
Günter, Johann Heinrich Eichelhain
Hassenpflug, Johann Heinrich Altenschlirf
¥ mit Schmidt, Anna Regina Altenschlirf
Heil, ? Rebgeshain
Helffenbein, Johannes Landenhausen
Herl, Catharina Elisabeth Rebgeshain
Jäger, Andreas Lauterbach
Jost, Friedrich Angersbach
¥ mit Stier, Anna Catharina Ilbeshausen
Keip, Jacob Zahmen
¥ mit Schaaf, Gertraud Altenschlirf
Krafft, Johann Conrad Rudlos
Lerch, ? Herbstein

Auswanderer aus dem Vogelsberg II


 
Rauber, Catharina Crainfeld
Reiss, Paul Zahmen
Römer, Bartholomäus Frischborn
Römer, Magnus Meiches
Ruhl, Lorenz Herbstein
Schädel, Caspar Ober-Moos
Schleuning, ? Ulrichstein
Schmidt, Johann Angersbach
Schneider, Johann Heinrich Engelrod
Schneider, Niclas Herbstein
Schneider, Ludwig Herbstein
Schneider, Lorenz Valentin Herbstein
Seifert, Anna Elisabeth Rebgeshain
Söpp, Paul Herbstein
Stein, Maria Elisabeth Ulrichstein
Traut, Rosina Barbara Herbstein
Trier, Christoph Herbstein
Usener, Johann Eichelhain
¥ mit Eifert, Anna Elisabeth  
Wiegand, Gottlieb Herbstein
Wiegel, Caspar Lauterbach
Wirth, Anna Elisabeth Rebgeshain
 
 
 
Schnegelberger, ?
nach Beideck/Wolga

 
 
 

Beideck

rechts der Wolga

auf der Bergseite

Gründungsjahr: 1767

Einwohner:

1772 360

1912 7054

1926 3941
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Literatur:

Karl Stumpp:

The Emigration from Germany to Russia in the years 1763 to 1862

(reprint in English 1982)

Fred C. Koch:

The Wolga Germans (1977)